Sonntag, 9. Dezember 2007

2000 km Jakobsweg. Zu Fuß durch Frankreich und Spanien (Mai - August 2007)

Hier endlich nun ein paar Bilder meiner Reise Mai - August 2007 (die übrigens NICHT von einem gewissen H. Kerkeling inspiriert wurde)!


Per Linienbus und Bummelzug nach Le Puy en Velay, Frankreich. Von dort geht es auf der "Via Podiensis" (GR 65) durch Frankreich, anschließend  auf dem "Camino frances" durch Spanien, immer nach Westen meinem Ziel entgegen - dem Atlantik am Kap Finisterre.


Blick von der Kapelle St. Aguilhes in Richtung Kathedrale.


Am ersten Abend eine Einladung zum Essen bei einem netten Womo-Paar aus Mainz. Was für ein netter Anfang. Vielen Dank!


Weite Landschaften in Aubrac und Margeride ziehen an mir vorüber. Wunderbar frühlingshaftes Wetter, nur Nachts gibt es anfangs noch Frost.


Mein Zuhause für die nächsten Monate und Hilfsmittel für die Freiheit, die ich mir auf dieser Reise wünsche: Mein selbstgenähtes Tarpzelt am Pass kurz vor Aubrac.


Nasse Mitpilger kurz vor Espalion. Nette Tagesbekanntschaften, aber leider verabschieden sie sich abends immer in eine der Gite d'Etapes (französische Wanderherbergen).


Die Via Podiensis führt durch viele malerische Städte, die während des mittelalterlichen Pilgerbooms zu Wohlstand gelangten. Estaing, Cahors, Conques bleiben mir besonders in Erinnerung.

Der Fluss am Rande von Cahors wird auf einer der besterhaltenen, mittelalterlichen Wehrbrücken überquert.


Viel frühlingshaftes Grün. Die Zeit fliegt vorbei!


Ab und zu komme ich bei netten Landwirten in der Scheune unter. Vor allem bei Dauerregen eine sehr willkommene Abwechslung.


Unglaublich spontane Gastfreundschaft bei einer Landwirtin wie ich/wir sie nie erwartet hätten. Nichtmal beim Ausmisten durften wir zum Ausgleich helfen. Danke, Annemarie!


Die Schlammschlacht geht weiter. Viel Regen in Westfrankreich!


Die Pyrenäen in Sicht! Ich kann es kaum fassen, aber für mich bedeutet das ungefähr schon die Hälfte der Gesamtstrecke.

Pilgerbüro in St. Jean Pied de Port, dem ziemlich überlaufenen Hauptstartpunkt des Camino Frances. Für viele Pilgeranwärter beginnt die Reise erstmal mit Schlaaaangestehen...


Nach ca. einem Monat die für mich erste Herbergsübernachtung im Refuge von St. Jean Pied de Port.
Ein richtiges Bett, was für ein Gefühl!
Bisher hatte ich fast nur Franzosen getroffen, ab hier werden die Bekanntschaften internationaler.


Wolken, Wolken, Wolken auf dem Weg über die Pyrenäen. Leider kaum (Aus)sicht auf der Passroute hinüber nach Roncesvalles in Spanien.


Eigentlich war noch ein Stück auf dem GR 11 geplant, aber bei anhaltend schlechtem Wetter bin ich schon nach kurzer Strecke umgekehrt.


Pamplona: Der ganze Trubel in der ersten größeren Stadt seit Langem bringt mich ganz schön durcheinander. Die Sprache verstehe ich kaum, plötzlich so viele Pilger unterwegs, Schlafsäle, Gemeinschaftsbäder und ungewohnte Einschränkungen durch einige Regel in städtischen Herbergen. Immerhin tolles Wetter, auf einen Schlag heiß und trocken!


La Rioja: Wein und kleine Dörfer unter spanischer Sonne. Was für ein Kontrast nach wochenlangem Regenwetter in Frankreich.


Wasser und Wein, schenk' dir ein! Die berühmte Bodega mit in die Wand eingelassenen Zapfhähnen für Wasser und Wein beim Kloster von Irache.


Kurz vor Santo Domingo de la Calzada ein Vorgeschmack auf die trocken-heiße Mesetaebene zwischen Burgos und Leon.


Die Kathedrale von Burgos: Für mich die schönste auf der ganzen Strecke. Außerdem wegen der jährlichen Fiesta unglaublich viel los in der ganzen Stadt mit Musik, traditionellen Paraden etc. Ich bin zu Gast in der Wohngemeinschaft einer deutschen Studentin, was die Tage in Burgos zu einer ganz besonders schönen Erinnerung werden lässt!


Ein Dorf in den heißen, windigen Weiten der Meseta. Tagsüber teils 30 Grad und gnadenlose Sonne, Nachts mit bis zu 3 Grad aber empfindlich kühl im Freien.


Für manche Pilger ein Fall für den Überlandbus, für mich ein beeindruckendes Gefühl von Weite auf der Mesetaebene - und viel meditatives Geradeauswandern....


Spätestens westlich von Leon mit seiner berühmten Kathedrale wird der Wanderer wieder durch bergiges Gelände aus seiner Meditation erweckt.


Die Montes de Leon schon in Sicht (das dort aufgestellte "Cruz de Ferro" ist für manche Pilger ein spiritueller Höhepunkt der Reise) . Ohne meinen (Sonnen)Schirm, ist die Hitze und Sonne fast unerträglich.


Bei Tomas aus Brasilien, der im verfallenen Dorf Manjarin (Montes de Leon) lebt, sind alle Vorbeikommenden zum Essen in internationaler Runde eingeladen. Anschließend führt Tomas eine mittelalterliche Zeremonie durch, und wer über Nacht in der mehr oder weniger improvisierten Herberge bleiben will, darf anstatt dem Komfort von Wasserhahn oder Toilette einen spannenden Abend in bunt zusammengewürfelter Gesellschaft erwarten. Neben Leuten aus Schweden, USA, Italien, Polen, Spanien, Tschechien, Russland bin ich der einzige Deutschsprachige.


Von Ponferrada aus mache ich einen Abstecher zu ehemals römischen Goldminen. Die bizarren Erosionshügel und Höhlen der Las Medulas sind jeden Umweg wert.


Die letzte Provinz vor dem Meer heißt Galizien. Grenzstein kurz vor dem Übergangspass auf O' Cebreiro.


Galicische, grüne Hügel beim Frühstück. Der Westwindeinfluss vom Atlantik her sorgt für eines der regenreichsten Gebiete Spaniens.


Das Massenpilgern ist in vollem Gang. Um die im katholischen Spanien angesehene Compostela - Urkunde in Santiago de C. zu bekommen, muss man nur die letzten 100 km durch Herbergsstempel im Pilgerausweis nachweisen. Als ich nach ca. 1600 km zu Fuß im Pilgerbüro von Santiago nach der Urkunde frage, wird sie mir wegen fehlender Stempel zunächst verweigert...


Für mich eine luxuriöse Abwechslung vom Campingleben, für den Durchschnittspilger das allabendliche Chaos im überfüllten Schlafsaal.


Manche Tradition wird erstaunlicherweise heute noch erhalten: Unentgeltliche Pilgerspeisung im noblen Parador Hotel, einem von Santiagos besten Hotels!


Sehnsuchts- und Zielpunkt für viele Pilger aus aller Welt. Santiagos Kathedrale.


Ein Wunsch geht in Erfüllung: Der Atlantik am Kap Finisterre ist erreicht.


Die Strecke von Finisterre nach Muxia war das schönste Ende der Welt und ein würdiger Endpunkt.


Santuario seniora de la barca bei Muxia. Ende der Ruta Jakobea.


Ein Linienbus bring mich in gut einem Tag Fahrt über A Coruna, Bilbao, Santander, Genf, Lausanne, Bern in die Schweiz nach Basel.


Bummel durch die Altstadt von Basel und ein Besuch in der Stadtbibliothek, um Infomaterial für den weiteren Weg zu kopieren.


Nach Norden in Richtung Heimat auf dem Schwarzwald-Wanderklassiker Westweg.


Schwarzwaldforstwege durch nebelig dunkle Fichtenwälder - irgendwie wieder so vertraut.
Nach über drei Monaten Wanderung betrete ich zu Fuß meine Heimatstadt.

Planungsinfos:
Anreise / Abreise: Le Puy en Velay mit Bahnanschluss. Lyon wird von Bahn und Fernbussen angefahren. Santiago mit Internationalem Flughafen, Bahn- und Fernbusanschluss. Alternativ auch via Porto mit günstigen Flügen und Busverbindung.
Karten / Führer: Topokarten sind zur Wegfindung nicht notwendig, grobe Streifenkarten jedoch praktisch. Für GR 65 z. B. französicher Topoguide, Miam Miam DoDo Chemin de Compostelle, oder GR 65  Outdoorverlag. Für Camino Frances z. B. vom Rother Verlag (mit praktischen Streifenkarten).
Markierung: GR 65 im GR System mit rot-weißen Balken fast überall sehr gut markiert. Camino frances mit gelben Farbpfeilen nur in Ost-West Richtung überwiegend gut markiert.
Übernachtung: Zelt / Biwak. Unbedingt Leave No Trace! In Frankreich Wanderherbergen (Gite d'Etape) und einige Campingplätze. In Spanien private und staedtische Pilgerherbergen (Albergue municipal), teils auf Spendenbasis.
Proviant / Wasser: Fast täglich Einkaufsmöglichkeiten in kleineren Orten. Wasser von zahlreichen Wasserhähnen auf der Strecke.
Geld: Nur in größeren Städten Geldautomaten. Nur Bargeld in den kleinen Herbergen.
Mobilfunk / Internet: Außer auf der Pyrenäenetappe überall gute Netzabdeckung. In Touristenbüros, Bibliotheken und Herbergen oft kostenloser Internetcomputer und oder WIFI.

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